# 70. Design Thinking toppt »KI«!

Warum ist Design Thinking durch den Hype der »Künstlichen Intelligenz (KI)« in den Hintergrund getreten?

Die Ursprünge des »Design Thinking« gehen auf die Design-Forschung seit den 1960er Jahren zurück. Es hat Ähnlichkeiten mit den ebenfalls in den 1960er Jahren vom Quickborner Team (heute Metaplan) entwickelten »Moderationsmethoden«, die in den nachfolgenden Jahrzehnten in Business-Organisationen immer mehr Anwendung fanden. Das »Design Thinking« als Methode wurde durch IDEO (gegründet 1991) eingesetzt, hier in Deutschland in den 2000er Jahren allmählich bekannt und in den 2010er Jahren zum Hype. Es hat nicht unwesentlich zur höheren Wertschätzung von designrelevanten Dienstleistung beigetragen (obwohl das Versprechen, damit Innovationen zu ermöglichen, in der Praxis kaum erfüllt wurde – wenn in der fallweise-methodischen Anwendung mit einer Stoppuhr gearbeitet wurde, was nicht funktioniert). Kern ist: dass hier die Methoden und die Sensibilität der Designer genutzt werden, Menschen verschiedener Disziplinen in einem kreativen Umfeld zusammenarbeiten, Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit von »Innovationen« untersucht werden. So gewertet, stehen hier also die besonderen Fähigkeiten im Design-Handwerk im Vordergrund.

Der aktuelle Hype der sogenannten »Künstlichen Intelligenz (KI)« stellt das »Design Thinking« immer mehr in den Schatten. Obwohl die »KI« nichts intelligentes an sich hat – sonder eine riesige Datenbank ist (als Teilbereich »maschinelles Lernen« eine statistische Datenanalyse und antrainierte Mustererkennung – Software mit Trainingsdaten-Analyse). Dabei ist zwischen schwacher und starker »KI« zu unterscheiden. Bei der schwachen »KI« geht es um konkrete Anwendungsprobleme, die in einzelnen Bereichen das Denken und die technische Anwendung unterstützen. Die starke »KI« sind kognitive Systeme, die schwierige und komplexe Aufgaben übernehmen können, zu deren Lösung nach allgemeinen Verständnis eine Form von »Intelligenz« notwendig ist. Die Entwickler und Anbieter versprechen damit intelligenter und kreativer zu werden (Marketing-Gag – sic!).

Design Thinking braucht professionell-berufliche Designer, »Künstliche Intelligenz (KI)« scheinbar nicht!

Die »Künstliche Intelligenz (KI)« kann nützlich sein, wenn man damit richtig umgehen und die Ergebnisse nachvollziehen, deren Quellen und ihren Wahrheitsgehalt überprüfen kann. Was sehr schwierig bis unmöglich ist. Hier helfen nur die Fähigkeiten zum kritischen Denken, zur Interpretation und zum sinnfälligem Einsatz. Die »KI« erweckt allerdings den Anschein, dass das eigene Denken nicht mehr wichtig ist, weil es von ihr übernommen wird. Man wird nicht klüger und kreativer, wenn man aufgehört hat, selbst zu denken. Das mit der »KI« verbundene Risiko ist, dass dieses Werkzeug nicht zur Problemlösung genutzt wird, sondern um den eigenen Verstand auszulagern (was nur dann minimiert werden kann, wenn man diesen trainiert). Hier werden Designer möglicherweise nicht gebraucht!

Mit dem Training des Verstands sind wir wieder beim »Design Thinking«. Der CEO von IDEO, Tim Brown, hat in seinem Buch »Change By Design« (english 2009, deutsch 2016) Design Thinking als »drei Räume der Innovation« beschrieben, die »nicht als geordnete Schrittfolge, sondern eher als System sich überlappender Räume« zu betrachten ist. Diese bezeichnet er als: »Inspiration (Chance / Problem – die zur Suche nach Lösung anregt), Ideenbildung (in dem Ideen generiert, entwickelt und erprobt werden) und Umsetzung (Weg aus dem Projektraum hin zum Markt)«. Design Thinking definiert er als »ein[en] explorative[n] Vorgang«, mit einem »iterative[n], nichtlineare[n] Wesen des Prozesse«. Es regt zum (gemeinsamen} Denken an und kann den Verstand trainieren. Als Gruppenarbeit ähnelt es den (bereits erwähnten) Moderationsmethoden. Hier sind Designer in ihrem eigenem Metier und werden gebraucht!

Ich beobachte, dass Designer und Manager dann erfolgreicher sind, wenn sie das »Design Thinking« methodisch der »Künstlichen Intelligenz (KI)« vorziehen und letzteres lediglich als Werkzeug nutzen. »Think as designer and use your own intellect!«

jk 12. Mai 2026

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