# 68. Design Education im Nebel!
Warum stochern die meisten (Design- / Wirtschafts-) Hochschulen beim Design Management im Nebel?
Dass viele Designer in ihrem Business erfolglos und viele Manager im Management des Design verkrampft sind, ist in den Kolumnen »# 66. Design Business am Arsch!« und »# 67. Design Management im Krampf!« schon beschrieben. Gründe sind, dass die Designer sich oft der Verantwortung im »Design Management« entziehen und Manager das »Design« nicht fassen können – wie Jan-Erik Baars (Professor an der Hochschule Luzern Wirtschaft) die Kolumne »# 67.« kommentiert hat und schlussfolgert, dass man Design Management weder an Design- noch an Wirtschaftsfakultäten findet (mit wenig qualifizierten Ausnahmen). Daraus resultiert, dass – solange Designer das Management, die Manager das Design und die Hochschulen das Design Management nicht als wichtig werten – sich an dem Problem mangelnder Verantwortung und geringen Verständnis nichts ändert. Alle bekommen daher was sie verdienen (sic!).
In der Diskussion an Design-Hochschulen fällt auf, dass das künstlerische Handwerk dominiert und sich entsprechend in der Kommunikation nach außen widerspiegelt. Unter dem Stichwort Bildung wird thematisiert: Didaktik und Pädagogik – was sich dann ausdifferenziert nach: durch / für / mit / über Design. Ergänzt durch: Ethik, Nachhaltigkeit und Zukunft. Design Research & Theory werden noch hinzugefügt, um dem akademischen Anspruch genüge zu tun. Alles halbwegs okay, aber unzureichend, weil viel zu kurz gefasst!
Bei den Wirtschaftshochschulen stehen die funktionalen Unternehmensbereiche im Vordergrund (wie Finanzen, Investitionen, Methoden, Marketing, Material, Organisation, Personal, Produktion und Rechnungswesen). Neben Führung, Kultur und Strategie, werden dann noch Gebiete des Management (Information, Projekt, Risiko und Wissen) vermittelt. Design kommt hier aber viel zu kurz. Es findet sich – wenn überhaupt – eher als Unterthema des Brand & Marketing Management wieder. Das ist nicht okay – weil unterbewertet platziert!
Die Hochschulen müssen endlich raus, aus ihrer selbstverschuldeten Nebelhöhle!
Die Design-Hochschulen und Wirtschaftshochschulen tun sich mit ihren (scheinbaren) Gegensätzen sehr schwer. Beide vermitteln damit den Eindruck, irgendwo im letzten Jahrhundert stecken geblieben zu sein und sich als aktive Generation im Design, für die schlaueste zu halten. In Anlehnung an die Generations-Maxime, kann man das »End-of-Design-Management-Illusion« nennen. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass diese Hochschulen, in der »Design & Economy Psychology« das Verständnis von Kunden und Nutzern in den Mittelpunkt stellen. Und das aus guten Gründen. Diese Gemeinsamkeit scheint allerdings das Disziplin übergreifende Verständnis von Designern (über das Management) und Managern (über das Design) weitgehend auszublenden. Bei einer näheren Beobachtung der Hochschulen, fällt auf, dass, für diese Form der Verdrängung, das Lehrpersonal im Wesentlichen verantwortlich ist.
Sehr wahrscheinlich wirken hier tiefverwurzelte Vorurteile – der Designer gegen das wirtschaftsrelevante Management und der Manager gegen das künstlerische Design. Nach Peter Unstinov: »Vorurteile sind Ideen, die gefroren sind oder die geerbt sind oder die traditionell sind oder die längst tot sind und die akzeptiert werden, ohne zu schauen, ob sie wahr sind.« Das Lehrpersonal gibt ihre Vorurteile leider an die Studierenden weiter und lässt sie damit im Nebel. Die vorurteilsfreie Qualifizierung des Lehrpersonals, der Hochschulen und Studierenden im Design Management, hätte die Wirkung einer »roten« Pille, jener Kapsel, die im Film »Matrix« die Menschen aus ihrem Unwissen (in einer virtuellen Welt zu leben) herausholt – eine moderne Version des Höhlengleichnis von Platon.
Ich doziere schon sehr lange im »Design Business & Management« an Hochschulen und bin vielen Lehrenden begegnet, die Vorurteile haben. Glücklicherweise gibt es freie und qualifizierte Ausnahmen unter Lehrenden und Hochschulen. »Be unprejudiced and not in a fog!«
jk 19. März 2026
Diese Kolumne steht hier als PDF auch zum downloaden zur Verfügung: